Weihnachtsmärkte im Erzgebirge 2026: Welche sich von Oberwiesenthal aus lohnen

Vom 27. November bis zum 23. Dezember 2026 zieht an jedem Adventswochenende irgendwo im Gebirge eine Bergparade durch die Stadt. Das ist der Unterschied: Weihnachtsmärkte im Erzgebirge sind keine Budenreihen mit Glühwein, sondern Bergmannsuniformen, Pyramiden mit vier Metern Durchmesser und Schwibbögen in jedem zweiten Fenster. Von Oberwiesenthal aus liegen die wichtigsten Märkte zwischen 25 Minuten und einer guten Stunde Fahrt entfernt.

Wer zur Adventszeit am Fichtelberg ist, braucht keinen Tagesausflug nach Dresden. Hier steht, welche Märkte sich lohnen und wann die Paraden laufen.

Warum hier Bergleute durch die Straßen ziehen

Die Weihnachtstraditionen des Erzgebirges kommen aus dem Bergbau. Schwibbogen, Pyramide und Räuchermännchen entstanden, als die Gruben nach und nach schlossen und die Bergleute zu Drechslern und Schnitzern wurden. Die Bergparaden erinnern an die Aufzüge der Knappschaften zu Feiertagen. Heute laufen Vereine aus ganz Sachsen mit, in historischen Habits, mit Grubenlampen und Blasmusik, und am Ende spielen alle zusammen das Steigerlied.

Dazu kommen Bräuche, die man auf keinem anderen Weihnachtsmarkt findet: das Pyramidenanschieben zur Eröffnung, der Hutzenabend mit Klöppeln und Schnitzen in der Stube, die Mettenschicht als letzte Schicht vor dem Fest und das Neunerlei, ein Essen aus neun Gängen am Heiligabend. Vieles davon kann man als Gast mitmachen.

Annaberg-Buchholz: der nächste große Markt und die größte Parade

Annaberg liegt 25 Minuten die B 95 hinunter und ist für Oberwiesenthaler der Weihnachtsmarkt schlechthin. Mehr als 80 Hütten stehen unter der St. Annenkirche auf dem Markt, geöffnet vom 27. November bis 23. Dezember 2026, Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 19 Uhr, Freitag und Samstag bis 20 Uhr. In der Bergkirche St. Marien steht eine bergmännische Krippe mit 32 geschnitzten Figuren von je gut einem Meter Höhe.

Der eigentliche Termin ist aber der 4. Advent. Am Sonntag, 20. Dezember 2026, um 13.30 Uhr läuft die Große Bergparade, die Abschlussparade des sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine. Über 1.000 Trachtenträger ziehen von der Wolkensteiner Straße über den Markt bis hinauf zur St. Annenkirche, wo das Abschlusskonzert steigt. An diesem Tag ist die Innenstadt dicht, die Parkplätze sind es auch. Wer von oben kommt, fährt früh los oder nimmt den Linienbus nach Annaberg. Programm und Zeiten stehen auf annaberg-buchholz.de.

Schwarzenberg: nur zehn Tage, dafür die schönste Kulisse

Schwarzenberg macht es kurz. Der Markt läuft 2026 vom 4. bis 13. Dezember, täglich 11 bis 20 Uhr, also vom Freitag vor dem 2. Advent bis zum 3. Adventssonntag. Dafür liegt er in einer Altstadt auf einem Felsen über dem Schwarzwasser, mit Schloss, Kirche und Gassen, die abends komplett in Lichterketten hängen. Im Schlosshof gibt es einen mittelalterlichen Markt, auf dem Markt steht die älteste erhaltene Großpyramide der Welt.

Zwei Tage sollte man sich merken: der Märchenumzug am 2. Adventssonntag, also dem 6. Dezember, und die Große Bergparade am Samstag, 12. Dezember 2026, um 17 Uhr. Die Parade bei Dunkelheit mit Grubenlampen ist stimmungsvoller als jede Nachmittagsparade. Von Oberwiesenthal sind es rund 30 Kilometer über Bärenstein und Crottendorf, bei Schnee eine knappe Dreiviertelstunde.

Seiffen: weit, aber das Original

Seiffen ist das Dorf, aus dem die Nussknacker und Räuchermänner kommen, und zur Seiffener Weihnacht wird das ganze Dorf zum Markt. Termin 2026: 27. November bis 20. Dezember, Montag bis Freitag 11 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 20 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. Unter der Woche ist es ruhig, am Samstagabend voll. Feste Termine: kleine Bergparade zur Eröffnung am 28. November um 9.30 Uhr, Lichterzug am 5. Dezember um 17 Uhr, große Bergparade mit über 400 Trachtenträgern am 12. Dezember um 15.30 Uhr, Laternenzug am 19. Dezember um 17 Uhr.

Von Oberwiesenthal sind es gut 65 Kilometer über Marienberg, im Winter eher anderthalb Stunden als eine. Das ist ein voller Tag, kein Abendausflug. Lohnen tut er sich vor allem wegen der Schauwerkstätten, in denen man zusieht, wie aus einem gedrehten Holzreifen ein Dutzend Tiere werden.

Direkt im Ort: der Wiesenthaler Advent

Oberwiesenthal selbst hat einen kleinen Markt auf dem Marktplatz, den Wiesenthaler Advent- und Neujahrsmarkt. Er läuft länger als alle anderen, vom 27. November 2026 bis 3. Januar 2027, Montag bis Donnerstag und Sonntag 11 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag bis 21 Uhr. Am 24. und 31. Dezember schließt er um 14 Uhr, am 25., 26. Dezember und 1. Januar bleibt er zu. Mittelpunkt ist die Holzpyramide, die seit 1975 auf dem Markt steht und von Schnitzern aus Ehrenfriedersdorf gebaut wurde.

Ehrlich gesagt: Das ist ein kleiner Ortsmarkt mit wenigen Ständen, nicht mehr. Wer nach dem Skitag einen Glühwein auf dem Weg ins Quartier will, ist richtig. Wer Erzgebirgsweihnacht sehen will, fährt nach Annaberg oder Schwarzenberg.

Annaberg-Buchholz27.11.–23.12.2026 · Große Bergparade So, 20.12., 13.30 Uhr
Schwarzenberg4.–13.12.2026 · Märchenumzug 6.12. · Bergparade Sa, 12.12., 17 Uhr
Seiffen27.11.–20.12.2026 · Große Bergparade Sa, 12.12., 15.30 Uhr
Oberwiesenthal27.11.2026–3.1.2027 · Marktplatz, kleiner Markt
ChemnitzBergparade Sa, 28.11.2026, 14 Uhr, Auftakt der Saison

Welches Wochenende für welchen Markt

Die Paraden verteilen sich über die vier Adventswochenenden, und am 3. Advent muss man sich entscheiden. Am 1. Advent eröffnet Chemnitz mit der Bergparade am 28. November, am selben Vormittag startet Seiffen. Am 2. Advent ist Schneeberg mit dem Lichtelfest dran, traditionell Samstag Bergaufzug und Sonntag Lichtelfest, in den Quellen stehen der 5. und 6. Dezember; dazu der Märchenumzug in Schwarzenberg. Am 3. Advent laufen Seiffen und Schwarzenberg am selben Samstag, 15.30 und 17 Uhr, 70 Kilometer auseinander. Beides schafft man nicht. Der 4. Advent gehört Annaberg.

Noch drei Dinge. Ab halb fünf ist es dunkel, und genau dann sind die Märkte am schönsten, also nicht zu spät losfahren. Die B 95 ist an Adventssamstagen voll, und wer Glühwein trinken will, nimmt Bus oder Fichtelbergbahn statt Auto. Bei den kleinen Orten lohnt ein Blick in den Kalender auf erzgebirge-tourismus.de, dort stehen auch Scheibenberg, Crottendorf, Hutzenabende und Mettenschichten rund um Oberwiesenthal. Einen Überblick über den ganzen Winter am Berg gibt die Startseite.

Häufige Fragen

Gibt es drüben in Boží Dar auch etwas Weihnachtliches?

Ja, das Weihnachtspostamt. In Boží Dar, zehn Minuten über die Grenze, stempelt die Post im Dezember Briefe mit einem Sonderstempel, der jedes Jahr neu gestaltet wird. Kinder schreiben an das „Christkind, Boží Dar 1“ und bekommen Antwort. Die Stempeltage für 2026 beim Infocentrum Boží Dar erfragen.

Was ist eine Mettenschicht und kann man da hin?

Die Mettenschicht war die letzte Schicht der Bergleute vor Weihnachten, mit Andacht, Essen und Gesang unter Tage. Schaubergwerke wie das Hammerwerk in Frohnau bei Annaberg bieten sie als Veranstaltung an, oft mit Bratwurst und Steigerlied. Plätze sind begrenzt, vorher reservieren.

Was steckt im Neunerlei?

Neun Speisen am Heiligabend, jede mit einer Bedeutung: Linsen für Kleingeld, Bratwurst für Kraft, Sauerkraut, damit das Leben nicht sauer wird, Klöße fürs große Geld. Einige Gasthäuser in Annaberg servieren es in der Adventszeit als Menü, man muss also nicht bis zum 24. warten.

Stand: Oktober 2026. Termine und Öffnungszeiten bitte vor der Fahrt beim jeweiligen Veranstalter prüfen.